An den Krypto-Derivatemärkten wird eine Liquidation nicht durch den Preis des letzten Trades ausgelöst, sondern durch berechnete Referenzwerte – Index Price und Mark Price. Diese werden aus Spot-Kursen und Orderbuchdaten gebildet, damit ein zufälliger Einzeltrade keine Liquidation auslöst. Der Mark Price dient zur Berechnung des unrealisierten PnL und zur Prüfung des Liquidationsniveaus. Ein kurzer Preisspike führt nicht zur Liquidation, solange die Referenzpreis-Berechnung dieses Niveau nicht überschreitet.
📖 Warum Index Price und Mark Price bei Liquidationen wichtig sind
Index Price und Mark Price sind berechnete Preise innerhalb des Liquidations-Risikomodells. Das Risikomodell stützt sich auf den aggregierten Marktstatus – nicht auf einen einzelnen Trade oder einen lokalen Preisausreißer.
- Der Preis des letzten Trades kann sich durch einen einzelnen großen Order oder ein dünnes Orderbuch stark verschieben. Würde man ihn als Trigger verwenden, könnte ein einziger Ausreißer eine Kette von Liquidationen auslösen.
- Der Index Price ist der gemittelte Preis eines Assets über mehrere Spot-Quellen. Eine Abweichung auf einer einzelnen Plattform wirkt sich weniger auf den Index aus und wird nicht zum allgemeinen Liquidationssignal.
- Der Mark Price wird zur Prüfung der Margin-Bedingungen genutzt. Eine Position gerät in die Liquidationszone, wenn der Mark Price den Liquidationspreis erreicht – nicht wenn der letzte Trade dieses Niveau nur kurz berührt.
Eine detaillierte Erklärung zur Berechnung und Nutzung dieser Preise: Mark Price, Index Price und Liquidation: Berechnungsmechanik.
🛠 Wie Index Price, Fair Price und Mark Price berechnet werden
- Berechnung des Index Price
- Der Index Price wird als gewichteter Durchschnittspreis eines Assets über mehrere Spot-Quellen bestimmt.
- Extreme Ausreißer werden aus der Berechnung ausgeschlossen, damit eine einzelne anomale Notierung den Index nicht verschiebt.
- Ermittlung des Fair Price
- Der Fair Price wird als Mittelwert aus Kauf- und Verkaufspreis im Orderbuch bei einer definierten Liquiditätstiefe berechnet.
- In die Berechnung fließen Bid- und Ask-Preise aus dem Orderbuch ein – nicht der Preis des letzten Trades.
- Herleitung des Mark Price
- Der Mark Price wird auf Basis des Index Price und der Abweichung des Kontraktpreises vom Index gebildet.
- Diese Abweichung heißt Basis – die Differenz zwischen Kontraktpreis und Indexpreis.
- Zur Glättung wird eine EMA (exponentiell gleitender Durchschnitt) auf die Abweichung angewendet, damit ein einzelner Preisspike den Mark Price nicht sofort verändert.
Der Fair Price und die Stabilität des Index Price hängen von der Tiefe und Verteilung der Orders im Orderbuch ab. Praktische Merkmale sind im Liquiditäts-Checkliste gesammelt.
⚡ Warum die Liquidation nicht am Marktpreis auslöst
Die Liquidation ist an den Mark Price gebunden – nicht an den letzten Trade:
- Eine Liquidation startet, wenn der Mark Price den Liquidationspreis erreicht, der aus den Margin-Parametern der Position berechnet wird.
- Der Preis des letzten Trades dokumentiert eine Ausführung, wird aber nicht als Bedingung für Margin-Unterdeckung in den Berechnungen genutzt.
- Ein kurzfristiger Preisausreißer kann den Liquidationslevel beim letzten Preis überschreiten, führt aber ohne Überschreiten des Mark Price nicht zur Liquidation.
Da die Liquidation vom Mark Price abhängt, ändert ein einzelner Trade den Status der Position nicht, solange sich der Mark Price nicht bis zum Liquidationsniveau verschiebt.
🧨 Typische Auslöser für Abweichungen zwischen Mark Price und letztem Preis
Szenarien einer lokalen Verzerrung des letzten Preises
Eine Abweichung zwischen Mark Price und dem Preis des letzten Trades entsteht, wenn einzelne Ausführungen nicht zum aggregierten Marktstatus passen.
- Dünnes Orderbuch: Ein einziger Market-Order verschiebt den letzten Preis deutlich, wenn die Orderbuchtiefe gering ist.
- Kurzzeitiger Volatilitätsschub: Liquidität auf einer Seite des Orderbuchs verschwindet vorübergehend, und eine Serie von Trades wird zu schlechteren Preisen ausgeführt.
- Lokale Anomalie einer Quelle: Eine kurzzeitige Abweichung auf einer Plattform beeinflusst dort den letzten Trade, verändert den aggregierten Index aber kaum.
Der Mark Price folgt dem Index und einer geglätteten Abweichung, während sich der letzte Preis durch einzelne Ausführungen ohne Ausreißerfilter verändert.
⚠️ Grenzen bei der Interpretation von Referenzpreisen
Index Price, Fair Price und Mark Price sind rechnerische Risiko-Referenzen – keine Ausführungspreise für Trades.
- Der Mark Price verhindert Liquidationen nicht. Bei einer nachhaltigen Marktbewegung erreicht der Mark Price das Liquidationsniveau zusammen mit dem Markt – reagiert aber nicht auf einzelne Ausreißer.
- Der Index Price ist kein Kauf- oder Verkaufspreis. Er dient als Referenzwert aus externen Notierungen.
- Der Fair Price spiegelt einen orderbuchbasierten Preis bei definierter Tiefe wider. Bei schrumpfender Liquidität verschiebt sich der berechnete Preis mit den realen Quotes.
❓ FAQ zu Mark Price, Index Price und Fair Price
Worin unterscheidet sich der Index Price vom Preis des letzten Trades?
Der Index Price ist ein aggregierter, gewichteter Durchschnittspreis über mehrere Spot-Quellen mit Ausreißerfilter. Der Preis des letzten Trades ist der Preis einer konkreten Einzeltransaktion auf einer Plattform zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Was genau prüft der Mark Price bei einer Liquidation?
Der Mark Price prüft in den Margin-Berechnungen, ob der Liquidationspreis erreicht ist. Überschreitet der Mark Price das Liquidationsniveau, startet das Risikomodell die Liquidation. Der Preis des letzten Trades ist nicht die Auslösebedingung.
Sind Fair Price und Mark Price dasselbe?
Der Fair Price ist ein berechneter Orderbuchpreis bei definierter Tiefe. Der Mark Price ist der Referenzpreis des Kontrakts auf Basis des Index und einer geglätteten Abweichung des Kontrakts vom Index. Der Fair Price kann als Eingangsgröße in die Mark-Price-Berechnung einfließen, ersetzt ihn aber nicht.
🧾 Warum der Mark Price für Liquidationen wichtiger ist als der letzte Preis
Der Preis des letzten Trades ist das Ergebnis einer einzelnen Ausführung. Er hängt von der Orderbuchtiefe und der lokalen Liquidität im Moment der Ausführung ab. Deshalb kann der letzte Preis kurz von der aggregierten Marktbewertung abweichen und nicht mit der Margin-Risikoberechnung der Position übereinstimmen.
Der Mark Price wird zur Prüfung des Liquidationspreises verwendet und auf Basis des Index Price berechnet. Ein einzelner Trade löst keine Liquidation aus, solange der Mark Price das Liquidationsniveau nicht überschreitet.
Liquidationen basieren auf einem berechneten Risiko-Referenzpreis – nicht auf einem lokalen Ausreißer des letzten Trades.